Dienstag, 26. Dezember 2006

Wie jedes Jahr zu Weihnachten hat meine Mutter mir auch dieses Jahr wieder einen Milka-Adventskalender geschickt. Mit Schokolade kann man ja bekanntermaßen nicht viel falsch machen, und entsprechend groß war meine Freude. Danke, Mama!

Nun ist es aber so, dass Milka in diesen Adventskalender nicht nur Schokolade steckt, sondern auch ein wenig Poesie: Auf der Rückseite jeder Tür verbirgt sich ein kleines Sprüchlein, üblicherweise mit Bezug zur Vorweihnachts- oder wenigstens zur Winterzeit, aber nicht notwendigerweise. Der Sinn dieser poetischen Meisterwerke erschließt sich mir nicht ganz, aber ich schwanke zwischen zwei Theorien:
  1. Als kleines Weihnachtsgeschenk an ihre Mitarbeiter erlaubt die Kraft Foods Deutschland GmbH, Eigentümerin der Marke "Milka", jedem Angestellten, es mal so richtig krachen zu lassen und sich einen tollen Spruch für den Schoko-Adventskalender auszudenken.
  2. Um sicherzustellen, dass sich niemand überisst, druckt Kraft Foods kleine Schreckgedichte auf die Rückseite jeder Tür. Idee: Wenn die Gedichte so schlecht sind, dass sich der Konsument nach dem Lesen übergeben muss, hält ihn dass eventuell davon ab, gleich noch gleich noch eine zweite Tür zu öffnen.
Beide Theorien ergeben einen gewissen Sinn und scheinen die einzig plausible Erklärung für die Qualität dieser kleinen poetischen Grausigkeiten zu sein. Die Texte sind extrem surreal, das Metrum lässt einem die Haare zu Berge stehen, und Interpunktion scheint auch keine große Rolle zu spielen. Ein paar Beispiele gefällig? Immerhin: Der Text zum 6. Dezember enthält das Wort "Nikolaus", ist also nicht ganz ohne Kontext. Aber dann dieses Komma! "Der Vogel, komma, singt", wie Herr Dummin gesagt hätte. Vielleicht liege ich aber auch vollkommen falsch, und die "Gedichte" wurden gar nicht von Kraft Foods selbst verfasst, sondern sind das Ergebnis eines Weihnachtsgedichtwettbewerbs, an dem nur Schüler der ersten und zweiten Klasse teilnehmen durften. Das würde auch die Ähnlichkeit der Türtexte mit den Einträgen in meinem nicht existenten Poesie-Album erklären:

Lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh, der auf seinem Throne saß, und den goldenen Apfel aß. Solang der Mops, nicht spricht, vergiss nie den der dir das geschrieben, vor allem nicht sein Gesicht.

Was bitte macht der Mops im Haferstroh? Und warum ist die Hälfte aller Kommata falsch gesetzt? Ist den Kindern eigentlich klar, was für einen Schmarrn sie in diese Poesie-Alben schreiben?

Einen guten Spruch habe ich allerdings gefunden (und hier stimmt auch das Versmaß):
Es war einmal, und ist nicht mehr, ein kugelrunder Teddybär. Der fraß die Milch und trank das Brot, und als er starb, da war er tot.
Frohe Weihnachten! :-)