Montag, 15. Mai 2006
Irgendwo in seinem Buch "Stupid White Men" schreibt Michael Moore, dass
seiner Meinung nach die Erfindung der Klimaanlage den Aufstieg der
ultrakonservativen und damit den Untergang der USA eingeleitet hat.
Ohne Klimaanlagen sei es in den meisten Staaten im Süden und in
der Mitte der USA im Sommer schlicht zu warm, um sich zu geistigen
Höhenflügen und ausgedehnter politischer Betätigung
hinreißen zu lassen. Nun weiß ich nicht, wie sich diese
Theorie mit der Entwicklung der Philosophie und Demokratie im antiken
Griechenland verträgt, das sich ja im Sommer normalerweise auch
nicht über Schneestürme beklagen kann.
Peloponnesischer Krieg überraschend beendet:
Das spartanische Heer hatte vergessen, Schneeketten für seine
Streitwägen mitzunehmen und wurde kurz vor Athen vom Wetter
überrascht.
Für Kalifornien scheint aber doch was dran zu sein. Als ich am
Samstagnachmittag in San Francisco aus dem Flugzeug gestiegen bin, dachte
ich mir noch: "Hach, endlich mal gutes Wetter!" Nach einem endlosen
kanadischen Winter eine große Erleichterung. Angenehm warm, 20 bis
25 Grad, und Sonnenschein. Allein, San Francisco ist nicht
repräsentativ für Kalifornien. Mit seiner exponierten Lage
zwischen Pazifik und San Francisco Bay ist es meistens recht kühl
und kommt selten auf mehr als 25 Grad, selbst im Hochsommer. Mountain
View, der Hauptstandort von Google und daher mein Wohnsitz für die
kommenden Monate, ist zwar nur eine Stunde südlich von San Francisco,
und nur etwas mehr als eine halbe südlich vom Flughafen, aber man
merkt den Klimaunterschied.
Gestern hatten wir 32 Grad, und ich habe geschwitzt wie Michael Moore in
der Sauna. Über den Tag verteilt habe ich irgendwo zwischen 4 und 5
Flüssigkeit zu mir genommen, so viel wie seit langer Zeit nicht mehr.
Mein Vater wird begeistert sein, wenn er das liest – "Trink viel,
Junge, das ist gut für die Gelenke." Mag sein. Aber das viele Schwitzen
ist doch ein bisschen unangenehm. Viel Lust zum Arbeiten hat man da nicht.
Aber das wird sich am Dienstag natürlich alles ändern, wenn ich
den Dienst an meinem geklimaanlagten Arbeitsplatz antreten werde. Insofern
hat Michael Moore eventuell ein bisschen Recht, wenn er in der Erfindung
der Klimaanlage den Anfang vom Ende sieht. Andererseits hat dann aber auch
die Klimaanlage erst die Entwicklung des Silicon Valley zum kalifornischen
Erlangen (frei nach Dr. Sigfried Balleis) möglich gemacht. Und ohne
das kalifornische Erlangen hätte das fränkische Original ja gar
keine Konkurrenz!
Warum ich überhaupt in Kalifornien bin? Von Morgen bis Mitte August
werde ich ein Praktikum bei Google machen. Für meine eigentliche
Geschichte ist das zwar ganz unerheblich, aber eine Google-Suche nach
"Praktikum bei Google" lieferte bisher keine brauchbaren Ergebnisse. Ich
versuche also, für diese Suchanfrage auf den ersten Platz bei Google
zu kommen. Eine nochmalige Verwendung der Wörter "Praktikum" und
"Google", gerne auch in umgekehrter Reihenfolge, "Google" und "Praktikum",
kann daher sicher nicht schaden.