Sonntag, 30. Januar 2005
Bei einer Wahlkampfveranstaltung 2000 in Texas hat der kanadische Reporter Rick Mercer
dem damaligen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten George W. Bush mitgeteilt,
der kanadische Premierminister John Putin stehe ganz auf seiner Seite und wünsche
sich W. als nächsten amerikanischen Präsidenten. Bush, der zu dem Zeitpunkt
wahrscheinlich keinen einzigen Kanadier kannte, stieg drauf ein, und alle haben sich
köstlich amüsiert. Das ganze war Teil einer größeren Amerika-Tour
Mercers ("Talking to Americans"), und der kanadische Premierminister hieß
natürlich nicht John Putin, sondern Jean Chrétien.
Im weiteren Verlauf seiner "Talking to Americans"-Tour, mit der er vor allem beweisen
wollte, wie wenig die Amerikaner über Kanada wissen, holte er sich unter anderem
die Unterschrift eines Princeton-Professors für eine Petition gegen die
alljährliche Eisbärenjagd in Toronto und Glückwünsche zur Ergreifung
von Maßnahmen zum Schutz des kanadischen National-Iglus (Gegenstück zum
Weißen Haus). Amerikanische Fernsehsender, die zum Gegenschlag ausholten und
zeigen wollten, wie wenig Kanadier über die USA wissen, waren erwartungsgemäß
nur mäßig erfolgreich.
(Quelle:
Wikipedia)
Als Bush im letzten Jahr zu Besuch nach Ottawa kam, um sich mit dem kanadischen
Premierminister, der inzwischen bereits Paul Martin hieß, zu treffen,
knüpfte er an die alte Episode an und bedankte sich artig für die Unterstützung
durch Herrn Putin im 200er-Wahlkampf. Das Publikum lachte höflich, war ja auch ganz
witzig.
Der eigentliche Pointe kommt aber noch: Da ich die Geschichte bisher immer nur gehört
hatte, dachte ich bloß, dass Mercer aus Chrétien einen Putin gemacht hatte. Hat er
in Wahrheit aber gar nicht. Vor einigen Wochen habe ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit
einem kanadischen Nationalgericht gemacht: Poutine. Und tatsächlich: Nicht John Putin
hieß der kanadische Premierminister, sondern Jean Poutine (wie der russische
Präsident übrigens in Frankreich).
Was ist denn jetzt dieses Poutine? Man nehme eine Portion Pommes Frites, lege einige
Käsewürfel auf die Pommes und übergieße das ganze dann mit heißer Bratensoße.
E voilà -- c'est poutine! Dass es in Quebec erfunden worden ist, glaubt man gar nicht.
Obwohl die Freedom Fries früher ja mal French Fries genannt worden sind. Wie das ganze
schmeckt, hängt vor allem von der Qualität der Bratensoße ab. Ich hatte Poutine,
die nach gar nichts geschmeckt hat, ich hatte aber auch schon welche, die sehr lecker war.
Unabhängig vom Geschmack isst man das ganze aber wohl, um satt zu werden. Ein bisschen fett
vielleicht auch, denn mit Poutine bekommt man natürlich noch viel mehr Kalorien als
Pommes ohnehin schon haben.

Kanadisches Nationalgericht: Poutine
Guten Appetit!
Stefan