Donnerstag, 1. Juli 2004
Oftmals darauf hingewiesen, oftmals Besserung gelobt und dann frecherweise
doch keinen neuen Text geschrieben. Der letzte Bericht aus Waterloo ist inzwischen
schon fast 2 Monate alt.
Es ist viel passiert. Das erste und wichtigste: Mein Fahrrad wurde gestohlen.
Am Victoria-Day-Wochenende (24. Mai) bin ich mit dem Fahrrad nach Kitchener
gefahren, habe mein Fahrrad ab-, aber nicht angeschlossen und an der Busstation
stehengelassen, um von dort aus mit Greyhound meinen Cousin zu besuchen. Als
ich zurückkam, was das Fahrrad leider nicht mehr da.

Fahrrad I, gehört jetzt irgendwem anders
Ich habe mich ziemlich geärgert und habe beschlossen, mir als Ersatz nicht
wieder ein teures neues Fahrrad zu kaufen, sondern ein gebrauchtes. Kein Problem:
Einen der Typen, die die Fahrradwerkstatt auf dem Campus betreiben, kannte ich
und wusste auch, dass er privat gebrauchte Fahrräder verkauft. Also habe ich
ihm für 60$ ein Rad abgekauft. Im Nachhinein war das vielleicht ein bisschen
viel, aber hinterher ist man immer schlauer.
Nach ungefähr einer Woche neuen Fahrradglücks hatte ich jedenfalls einen
Platten. Weil ich zu faul war, das Fahrrad zu reparieren, bin ich dann erstmal
einige Wochen zu Fuß in die Uni gegangen. Allerdings dauerte das pro Weg
20-25 Minuten, pro Tag also fast eine Stunde, was eine ungeheure Zeitverschwendung
war. Andererseits war es sehr gemütlich. Eigentlich wollte ich mein Fahrrad
irgendwann einmal reparieren, aber es stellte sich heraus, dass Schlauch und Mantel
irgendwie zusammengewachsen und außerdem völlig verrottet waren.

Fahrrad II, steht vor meinem Haus und verschimmelt
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe mir letzte Woche ein neues Fahrrad gekauft,
jetzt also das dritte innerhalb von drei Monaten. Es war neu, aber ein Ausverkauf
bei Canadian Tire. Deshalb hat es auch nur 55$+Steuern gekostet. Natürlich
sieht man, dass es kein Markenrad ist, und statt "Shimano" steht zum Beispiel
"Falcon" auf der Gangschaltung, aber trotzdem ein Schnäppchen. Ich hoffe mal,
dass das jetzt ein bisschen länger halten wird. Übers Wochenende in
Kitchener stehenlassen mache ich jetzt jedenfalls nicht mehr.

Fahrrad III, in täglicher Benutzung
An den kanadischen Akzent habe ich mich inzwischen gewöhnt, und ehrlich:
British English erscheint mir immer seltsamer. Als ich gestern in Harry Potter 3
war, der übrigens nicht besonders toll ist, habe ich mich zunächst
über den albernen englischen Akzent geärgert. Aber ist halt in
England gedreht. Ich würde auch gern so sprechen können, und sei es
nur, um mich darüber lustig zu machen. Muss ich irgendwann mal üben.
Eine große Hilfe bei meinen Problemchen mit der englischen Sprache ist
mir übrigens mein Labmate Mike, der mich nicht nur Spelling Bee spielen
lässt, sondern mir außerdem noch die besten englischen Wörter
beibringt ("waft") und mir erklärt, warum uns Straßen und und
Parkplätze unmenschlich werden lassen. Er hat mich außerdem gebeten,
in meinen Texten doch ein bisschen über meine Kollegen zu lästern
(er kann Deutsch lesen). Also fange ich am besten mit ihm an. Das ist Mike:

Mike, großer Demagoge vor dem Herrn
Er hat eine Vorliebe für rote Bohnen aus Dosen und Diskussion über
seine abstrusen Vorstellungen zur Zukunft der weißen Rasse und ihre
Bedrohung durch Mexikaner in Kalifornien.
Da ich die letzten Wochen hauptsächlich mit Uni-Zeug verbracht habe, ist
es eigentlich doch gar nicht so viel, was ich zu erzählen habe. Aber letztes
Wochenende war ich mit mit einem kleinen Grüppchen in Algonquin zu einer
Kanutour, und eben gerade habe ich mich mit den Kanadiern solidarisiert und
den Canada Day gefeiert. Die Nationalhymne wurde aber nicht gesungen (nur von
einigen vielleicht leise gesummt). Auch daran erkennt man, ob man sich nördlich
oder südlich vom Eriesee befindet.
Von beidem,
Algonquin und
Canada Day, gibt es ein paar Fotos in der
entsprechenden Abteilung meiner Homepage. Zum Abschluss noch zwei Bilder
von meiner Wohngegend:
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| Sonnenuntergang im Columbia Lake Village | | Parken verboten, auch nachts |